Nachhaltig & Gerecht

Mit uns ist in Deutschland der umweltpolitische Aufbruch gelungen, der einher ging mit wesentlichen Erfolgen in der Verbraucherpolitik. Mit ökologischer Modernisierung und Innovation sorgen wir für zukunftsfähige Arbeitsplätze.

In der Gesellschaftspolitik haben wir unter anderem mit dem Staatsbürgerschaftsrecht, dem Einwanderungsrecht und der Eingetragenen Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare Schritte vollzogen, die Deutschland zu einem moderneren und weltoffeneren Land haben werden lassen.

Beim Umbau des Sozialstaats, der nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung erforderlich wird, sind die Grünen der Reformmotor und die Gewähr dafür, dass Generationen- und Verteilungsgerechtigkeit im Gesetzbuch auch künftig großgeschrieben werden.


Kein Gedenken für SS-Veteranen

Seit der Unabhängigkeit Lettlands 1991 gedenken Veteranen der Waffen-SS („Lettische Legion“) jährlich am 16. März mit einer Parade einer Schlacht gegen die Rote Armee 1944, bei der diese Legion vergeblich versuchte, den Vormarsch der sowjetischen Armee aufzuhalten.

Volker Beck, MdB, Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe und migrationspolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, wird am 15. März um 15.00 Uhr bei einer Kundgebung vor der Botschaft der Republik Lettland in Berlin dagegen protestieren.

„Die jährliche Ehrung der Waffen-SS in Riga ist für mich unerträglich. Täter werden zu Opfern stilisiert und Angehörige und Überlebende der Shoah und der Massenverbrechen während des Zweiten Weltkriegs in Lettland werden durch diese Ehrung jährlich wieder und wieder getroffen, ihr Leid wird mit Füßen getreten, die Erinnerung an die Shoah und die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs durch den Dreck gezogen. Viele der lettischen Veteranen der SS-Verbände waren zuvor Teil der lettischen Geheimpolizei, die an Massenverbrechen an Jüdinnen und Juden beteiligt war.

Fast 90 Prozent der Jüdinnen und Juden in Lettland wurde ermordet. Riga war einer der zentralen Orte für die Ermordung Berliner Jüdinnen und Juden. Ich protestiere heute in Berlin vor der Botschaft der Republik Lettland, um diesem unsäglichen Gedenken etwas entgegenzusetzen.

Ja, die Geschichte der baltischen Staaten ist ambivalent und insbesondere die Zeit der deutschen und anschließend der sowjetischen Besatzung sind von Kontroversen um die eigene, nationale Geschichte geprägt. Die Frage nach einer lettischen Mitverantwortung an deutschen Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs aber ist trotz wissenschaftlicher Dispute weitgehend geklärt.

Die „Lettische Legion“, die jährlich am 16. März geehrt wird, hatte Hitler Treue zu schwören und wurde an Einsätzen zur Durchführung von Massenmorden an der Zivilbevölkerung in Lettland, Russland und Belarus beteiligt. Einheiten der „Lettischen Legion“ wurden zur Bewachung des KZ Salaspils bei Riga und zu Massenerschießungen im Wald von Bikernieki eingesetzt.

Zur Entwicklung eines lettischen Nationalbewusstseins gehört es, sich den schwierigen Phasen der eigenen Geschichte zu stellen und diese zu kritisieren. Nationalstolz darf niemals über Menschenrechte triumphieren.

Auch in Deutschland sind wir weit davon entfernt, deutsche Kriegsverbrecher als Täter zu verurteilen und entsprechend zu behandeln. Nicht nur wurden sie durch die Nachkriegsjustiz weitgehend geschont, sie wurden sogar zu Opfern erklärt, während bis heute Überlebende der NS-Verbrechen und ihre Hinterbliebenen um ihren Opferstatus und entsprechende Entschädigungsleistungen hart kämpfen müssen.

Meine Kleine Anfrage zur Kriegsopferrente für NS-Kriegsverbrecher, darunter Mitglieder der SS und ihre Angehörigen, beantwortete die Bundesregierung am 27. Januar 2017 damit, dass eine Änderung dieser Praxis nicht geplant sei. Der tiefe Unwille der Bundesregierung, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, ist eine unerträgliche Stilisierung ehemaliger Täter zu Opfern. Die Bundesregierung darf nicht weiter zulassen, dass ehemaliges KZ-Lagerpersonal und andere Kriegsverbrecher Zusatzrenten abkassieren.“



Volker Beck zu den Durchsuchungen bei DITIB-Imamen

Die Äußerungen von Heiko Maas zu DITIB sind ein Witz Was wurde vom Bundesjustizministerium zur Beweissicherung getan?

Zu den Durchsuchungen bei Erdogans Spionen erklärt Volker Beck, religionspolitischer Sprecher:

„Ablenkungsmanöver von eigenem Fehlverhalten oder schlichte Ahnungslosigkeit? Die Ausführungen von Heiko Maas sind ein Witz. Heiko Maas  muss erklären, warum vom Bundesjustizminister nichts unternommen wurde, dass sich verdächtige Imame und Religionsbeauftragte der Strafverfolgung nicht durch Flucht in der Türkei Vernehmungen und der Strafverfolgung entziehen konnten.

Die Spionage hat DITIB längst eingeräumt, den Abzug der Verdächtigen in die Türkei bekannt gegeben (http://www.ditib.de/detail1.php?id=565&lang=de).

Wie kann man dann als Bundesjustizminister so naiv Empörung heucheln?“



Israel: Baumpflanzung als Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Israel

Am 9. Februar 2017 pflanzten im Rahmen der Delegationsreise der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe Abgeordnete des Bundestages zusammen mit dem israelischen Staatspräsidenten Rivlin in Haifa Bäume als Zeichen der Solidarität. Ende 2016 wurden durch Feuer Natur und Häuser im Norden Israels zerstört.

Hier können Sie die Rede von Volker Beck, Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, im Anschluss an die Baumpflanzung in Haifa lesen. Es gilt das gesprochene Wort.



„Sehr geehrter Herr Staatspräsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen der Knesset und des Deutschen Bundestages,
liebe Freundinnen und Freunde,
Baum, Haifa-4

am Tag Tu Bi Shvat – dem Neujahrsfest der Bäume – feiern wir die Früchte der Erde und das Entstehen neuen Lebens. Für uns als Mitglieder des Deutschen Bundestages ist es eine besondere Ehre, diesen Tag hier gemeinsam mit Ihnen, Herr Präsident, und unseren israelischen Freundinnen und Freunden feiern zu können. Wir pflanzen heute diese Bäume, um unsere tief empfundene Solidarität, unser Engagement und unsere Freundschaft mit dem israelischen Volk und dem Staat Israel zum Ausdruck zu bringen.

Diese Bäume werden wachsen und als Symbol für Widerstandsfähigkeit und Hoffnung stehen, nachdem Natur, Häuser und Leben durch Großbrände zerstört wurden. Wir danken all denen, die ihr Leben riskiert haben, um Menschen in Not zu helfen. Manche dieser Brände wurden vorsätzlich von Terroristen gelegt, die das Leben verachten und die Grundlagen unseres gemeinsamen Wohlstands zerstören. Darüber hinaus haben sich die geistigen Brandstifter insbesondere im Internet – hier in der Region, aber auch in Deutschland – über das Leid israelischer Bürger, genauer gesagt der Juden, hämisch gefreut, obwohl alle Menschen in der Region zu leiden hatten.

Während Häuser brannten, wurde über die Hashtags „IsraelIsBurning“ und „IsraelOnFire“ auf Twitter und Facebook Hass verbreitet. Diese antisemitische Hetze ist nicht hinnehmbar, und wir als liberale Gesellschaft müssen sie verurteilen und mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen. Und das haben wir auch getan! Der islamistische Antisemitismus in und aus den arBaum, Haifa-2abischen Ländern, dem Iran oder der Türkei muss ebenso verurteilt werden wie der Antisemitismus in Deutschland. Hass darf unsere offenen Gesellschaften nicht spalten.

Mit Hoffnung erfüllt hat mich, dass die Palästinensische Autonomiebehörde Feuerwehrfahrzeuge und Rettungskräfte zur Bekämpfung der Brände entsandt hat. Der Direktor für zivile Verteidigung der Palästinensischen Autonomiebehörde hat erklärt, dass in Zeiten von Katastrophen die Politik in den Hintergrund treten sollte. Ich hoffe, dass die palästinensische Führung eines Tages nicht nur Brände in Israel, sondern auch das Feuer des Hasses löscht. Wir sollten diese Demonstration der Solidarität als Aufforderung betrachten, den Anderen und seine Bedürfnisse besser zu verstehen. Auch Ägypten und Jordanien haben die israelischen Rettungskräfte unterstützt.

Indem wir diese Bäume pflanzen, wollen wir die Grundlagen für die weitere Stärkung der Bande zwischen den Menschen in Israel und der Region schaffen in der Hoffnung, dass eines Tages der jüdische und demokratische Staat Israel friedlich mit seinen Nachbarländern Palästina, Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten zusammenlebt. Diese schreckliche Situation hat uns eine einfache Wahrheit offenbart: Israel und die palästinensischen Gebiete müssen früher oder später zusammenarbeiten. Denn von den Bränden waren Menschen in der gesamten Region betroffen – egal welchen Glaubens oder welcher Staatsangehörigkeit. Ich wünsche mir, dass alle Menschen in Ramallah, Gaza und Jerusalem diese einfache Wahrheit teilen.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern sehen sich unsere Demokratien mit rechtspopulistischen Bewegungen konfrontiert, die erfolgreich den öffentlichen und politischen Diskurs bestimmen und Rassismus, Antisemitismus und antimuslimische Hetze fördern.

Haifa steht für eine erfolgreiche, multikulturelle Gesellschaft, in der Menschen mit unterschiedlichem nationalem oder religiösem Hintergrund eine Gemeinschaft entwickeln können, die gemeinsame Werte teilt, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen respektiert. Es ist meine Hoffnung, dass trotz der jahrzehntelangen Gewalt, der Israel sich ausgesetzt sieht, dieses Land, das wir alle bewundern, seine Identität als ein Land bewahrt, das unterschiedliche kulturelle, nationale, religiöse und sexuelle Identitäten respektiert und förBaum, Haifa-1dert. 

Ich glaube, dass diese Faktoren die Grundlage der Erfolgsgeschichte Israels seit seiner Gründung bilden – der bewundernswerten Geschichte des jüdischen und demokratischen Staates: gleiche Rechte für alle Bürger und eine Heimat für die Juden der Welt, so wie es in der Megilat HaAtzma’ut, der israelischen Unabhängigkeitserklärung, steht:

„Der Staat Israel ist offen für die jüdische Einwanderung“
„Allen Bürgern, wird soziale und politische Gleichheit geboten“

Bäume erinnern an die Geschichte des Paradieses im 1. Buch Mose. Bäume garantieren Leben und Früchte und schützen uns vor der Ausbreitung der Wüsten.
Mögen diese Bäume wachsen, gedeihen und ein Segen für das israelische Volk sein!“

 

 

 



DITIB gesteht Spionage für die Diyanet ein: Erklärungsversuch unglaubwürdig

DITIB gesteht Spionage für die Diyanet ein: DITIB muss Generalbundesanwalt die Spione benennen. Volker Beck, religionspolitischer Sprecher, erklärt:

Bei der DITIB spioniert man aus Versehen? Das kaufe ich nicht. Im Dezember hatte ich wegen dieses Spionagevorganges beim Generalbundesanwalt Strafanzeige wegen des Verdachts der Spionage zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland gestellt. Der Verdacht ist nun bestätigt.

Die DITIB muss der Generalbundesanwaltschaft die Personen benennen, die im Auftrag der türkischen Republik Informationen gesammelt und an türkische Stellen weitergegeben haben.

DITIB-Generalsekretär Bekir Alboga gesteht: DITIB-Imame haben im Auftrag der Diyanet spioniert. Der Erklärungsversuch „Panne“ ist angesichts der Abhängigkeit der DITIB von der Diyanet in Ankara und die Rolle der türkischen Botschaft und der Generalkonsulatee bei der Steuerung des Verbandes und seiner Gliederungen in Deutschland wenig glaubwürdig.

Es handelt sich bei der DITIB-Spionage mutmaßlich um Spionage für die Religionsanstalt in Ankara und  nicht um Spionage für den türkischen Geheimdienst MIT. Es handelt sich hier um eine eigenständige Struktur, die geheimdienstlich arbeitete ohne ein Geheimdienst zu sein. Hierbei spielte sicher auch die 100%ige Abhängigkeit der Imame von der Diyanet eine Rolle.



Predigt über Offenbarung 12: 7 – 12

Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel, und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unsers Gottes geworden und die Macht seines Christus, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod.  Darum freuet euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh denen, die auf Erden wohnen und auf dem Meer! denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat. In seiner verrätselten Bildersprache, in seiner apokalyptischen Vision, in seiner Auseinandersetzung zwischen Michael und seinen Engeln & dem Drachen und seinen Engeln, ist dieser Text eine echte Herausforderung für Menschen unserer Zeit.

Ich bin nicht sicher, ob ich den Text ganz verstehe. Da ist auf der einen Seite Michael, der Erzengel, das Gute und seine Engel, eine Seinsweise der Botschaft Gottes, Gottes Gedanken die zum Menschen kommen.  Michaels Name bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ Damit  ist das Wesen der Engel erkennbar: Ihre ganze Existenz ist eine lebendige, unaufhörliche, fröhliche Verherrlichung Gottes. „Wer ist wie Gott?“

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Volker Beck bei der Predigt.

Das Wesen des Erzengels Satan lautet: „Ich bin wie Gott!“ Seine Engel sagen: Ich bin Herr über Leben und Tod. Ich entscheide über Wert und Lebensrecht und Rechte anderer. Eine Stimme, die gerade jetzt in unserem Land wieder lauter wird. Das Wesen der bösen Engel kommt zum Ausdruck im Namen Satans. Das hebräische Wort heißt: der Ankläger, der Widersacher, der Feind Gottes.

Diese Auseinandersetzung ist Teil einer Narration von der Apokalyptischen Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen, schwanger, die ihren Sohn gebiert in großer Qual. Von den Exegeten gedeutet als Israel, die christliche Kirche oder Maria. Verfolgt vom Drachen, wird sie mit Flügeln eines Adlers ausgerüstet, dass sie in die Wüste fliegen kann und geschützt ist vor den Angriffen des Drachens. Ein Aspekt der Hoffnung, des Schutzes für das Leben, die Würde der Existenz.

„Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen.“ Dies erinnert uns an die Grauen vergangener Zeiten und unserer Zeit: Ruanda, Srebrenica, Syrien – Auschwitz. Länder, Orte, die von diesem großen Zorn zeugen. Des Wütens der Abwesenheit von Gott, der Herrschaft des Bösen. Der Text enthält in seiner apokalyptischen Rhetorik auch Hoffnung. Nicht nur die Rettung des apokalyptischen Weibes ist eine Verheißung, dass das Böse das Gute nicht überwindet, sondern auch die Aussage: Dass der Drache, das Böse„ weiß, daß er wenig Zeit hat.“ Das ist ein Hinweis auf die beschränkte Reichweite des Bösen. Erscheint es noch so übermächtig. Es soll nicht Bestand haben, seine Zeit, seine Macht, seine Herrschaft, scheint sie uns noch so überwältigend, ist begrenzt.

Während ich diesen Text las und mit ihm rang, musste ich immer wieder an ein Buch denken, dass ich diese Woche vorstellen durfte. Das Buch von Jehuda Bacon & Manfred Lütz, der ihn befragte: „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden.“Jehuda Bacon ist ein israelischer Künstler, ein Holocaustüberlebender, er hat Theresienstadt durchlitten, die Hölle von Auschwitz und die Todesmärsche zum KZ Mauthausen und KZ Gunskirchen überlebt. Seine Bilder hängen in vielen Museen dieser Welt und auch in Yad Vashem.

Er war Zeuge im Eichmann-Prozess, im Frankfurter Auschwitzprozess und im  Prozess gegen den Holocaustleugner David Irving (für die Existenz der Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.) Ein Mensch, der auch inmitten der Shoa, der Herrschaft des Drachens, seinen Glauben nicht verloren hat, auch nicht den Glauben an den Menschen, auch nicht angesichts der verbrecherischsten SS-Leute. Bacon ist kein Theologe, kein Exeget. Er hat angesichts des auf die Erde geworfenen Satans und seiner Herrschaft seinen Glauben, seinen menschlichen Blick, bewahrt.

Er berichtet von einem SS-Mann in Auschwitz,der viele Menschen totgeschlagen hat oder fast totgeschlagen hat. Eines Tages suchte er 10 Häftlinge aus. Alle waren voller Angst. Was wird wohl jetzt passieren? Er führt sie in einen Raum mit einem Tisch, da liegt eine Salami, er schneidet sie in 10 Stücke, gibt jedem ein Stück und sagt: „Haut ab!“

Jehuda Bacon sagt dazu:„In jedem Menschen ist dieser göttlicher Funke, auch in einem solchen Verbrecher: Plötzlich ist er dagewesen!“ Im Frankfurter Auschwitzprozess gibt Bacon Zeugnis von den Verbrechen des SS-Mannes und von der Geschichte mit der Salami. Dieser SS-Mann bekannte sich als einziger in dem Prozess schuldig. Selbst einem Mengele wünscht er nicht die Todessstrafe an den Hals, sondern dass er seine Lebensgeschichte  aufschreiben muss. Diese Auseinandersetzung wäre ihm Sühne genug.

Befragt nach Hitler, sagt er: „Wer bin ich, dass ich … Das war ein Ungeheuer…“ Gefragt nach dem göttlichen Funken, der in jedem Menschen stecke, erzählt er die Geschichte, dass Hitler im 1. Weltkrieg einen jüdischen Kriegskameraden hatte, der ihm in einem Brief um Hilfe für die Ausreise bat. Und Hitler ihm mit einem Brief zur Ausreise verhalf. Jehuda Bacon sagt dazu: „Sehen Sie, da ist auch etwas von dem Funken geblieben.“

Es stockt einem der Atem – Vor dieser Größe, vor dieser Menschlichkeit, vor dieser Sicht auf die größten Verbrecher. Der Hass auf sie, wäre für Jehuda Bacon ein Sieg der Nazis gewesen. Über die Verbrecher sagt er:„Der Böse ist nicht nur einfach böse, sondern er ist jemand, der sich von Gott entfernt, und diese Entfernung geht ins Nichts.“ Und das ist immer eine Wahl. Er nimmt bei dem Blick auf das Elend einen transzendenten Standpunkt ein, der sehr  konkret wird in seinem Leben. Mit Martin Buber sagt er:„Existenz hat nur das Gute und das Gute ist der Weg in die Nähe Gottes.“

Eine Wirklichkeit, die Bacon für sich auch in der Hölle von Auschwitz beanspruchte: „Ich wusste, man kann mich zu Asche machen. Aber ich wusste auch, dass es etwas in mir gibt, das nicht sterben kann, es gibt etwas Überzeitliches, Zeitloses, Geistiges, etwas Göttliches, das man nicht vernichten kann.“

Er entwickelt dies aus dem ersten und dem 73. Psalm. Im 73. Psalm  hadert der Beter mit dem Erfolg und der Macht der Gottlosen und  er besinnt sich am Ende trotz allem auf die Nähe zu Gott. Dort heißt es:

„Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott,
allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Aber das ist meine Freude,
daß ich mich zu Gott halte und
meine Zuversicht setzte auf den Herrn,
daß ich verkündige all dein Tun.“

Das Thema der Zuversicht, das wir gerade beim betenden Singen des 91.  Psalm als Hoffnung bekräftigt haben. Bacon sagt: „Die Nähe Gottes, diese Erfahrung, ist das Höchste, was ein Mensch erreichen kann.“ Und er wirft jeden Menschen auf seine Verantwortung zurück. Denn der Funke ist in uns allen. Und das andere auch.

Aber wie schafft man es denn die Herrschaft des Drachens zu brechen? Wie kann man im Angesicht der Engel des Satans, der Ungerechtigkeit, der Brutalität des Krieges nicht verbittern, den Nächsten, den Feind lieben? Bacon sagt: „Wenn wir ganz tief gehen, dann sehen wir, dass der andere so ist wie ich selbst. Und nur deswegen ist der berühmte Satz möglich: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wie soll ich denn den anderen, den ich gar nicht so kenne, wie er ist lieben? Das ist doch eigentlich unmöglich! Aber die meisten zitieren nur diesen halben Satz und so kann man es nicht richtig verstehen. Der ganze Satz klingt anders: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, denn ich bin Gott!

Das heißt nur, wenn man dieses Dreieck glaubt, da ist der Gott, der mich erschuf und der auch den anderen erschuf, dann haben wir eine Gemeinsamkeit, denn dann kann ich den  anderen lieben, dann kann ich den anderen verstehen, weil er ein Geschöpf ist so wie ich.

Ich bin Gott, das bedeutet eigentlich, Ich bin die Spitze, die eigentlich den Sinn ergibt und die Möglichkeit, dem anderen irgendwie in Liebe und tiefen Verständnis zu begegnen. Wenn ich den anderen dann so wie mich selbst erlebe, dann ist das ein Moment der Gnade und in diesem Moment kann ich auch das Einmalige in dem, den ich liebe sehen. Und das wirkt Wunder.“

Ich will nicht den Juden Jehuda Bacon für die eschatologische, christliche Botschaft der Offenbarung des Johannes vereinnahmen. Ich möchte nur die Botschaft der Begrenztheit der Herrschaft des Bösen, des Drachens, illustrieren, dass der Drache – „dass er wenig Zeit hat“, am Glaubenszeugnis des Jehuda Bacon.

Das Wort seines Zeugnisses ist die Bestätigung der Worte des Juden Jesus: „Du sollst lieben Gott, deinen HERRN, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“ Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“  In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ Diese 2 jüdischen Gesetze sind der Kern des Christentums. Das Wort ihres Zeugnisses überwindet den Satan sagt der Offenbarer.

Zwischen Michael und seinen Engeln und Satan und seinen Botschaften können wir jeden Tag,  jede Stunde neu entscheiden. Angesichts der Ideologen der Ungleichwertigkeit, denen wir mit Michael und seinen Engeln die Botschaft der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen, gleich an Würde und Rechten geboren, entgegenhalten.

Und wir dürfen darauf vertrauen, dass die Fluten des Drachens von der Erde verschlungen werden.

„Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden.“

Wir sind hier auf Erden verantwortlich. Wir entscheiden, welche Engel wir beherbergen, und  ob wir mit dafür sorgen, dass der Drache wenig Zeit hat  und wenig Macht. Und wenn wir da dabei sind, dürfen wir auch sagen: „Darum freuet euch, ihr Himmel und die darin wohnen!“

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Die St. Marienkirche am Alexanderplatz.