Eheöffnung: Auch der Vatikan muss die Menschenrechte respektieren

Zu den Stimmen aus dem Vatikan und der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz zum iririschen Referendum über die Ehe für alle erklärt Volker Beck, innen- und religionspolitischer Sprecher:

„Die katholische Kirche hat erneut eine Chance verpasst, in der Gegenwart anzukommen. Die Weltuntergangsrhetorik des Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin ist kein Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden.

Der Vatikan sollte bei Äußerungen zu weltlichen Fragen die Grund- und Menschenrechte respektieren. Die verfassungsrechtlichen Prinzipien der Menschenwürde, der Freiheit und der Gleichheit vor dem Gesetz sind die Fundamente, die auch den Kirchen ihre Freiheit garantieren.

Das katholische Sakrament der Ehe und die Ehe im Bürgerlichen Gesetzbuch sind verschiedene Dinge. Das gilt bei der Scheidung wie beim Eheschließungsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Die Kirche darf im demokratischen Staat den rechten Glauben nicht über die Rechte der Menschen stellen.

Wenn die römisch-katholische Kirche damit weiterhin auf Kriegsfuß steht, muss sie sich nicht wundern, wenn die Menschen zu Hunderttausenden aus der katholischen Kirche austreten. Wer über die Ungleichheit von Menschen predigt, verletzt nicht nur jedes christliche Gebot der Nächstenliebe sondern auch die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte.

Nicht die Eheöffnung ist eine Niederlage für die Menschheit. Im Gegenteil: Die Äußerungen des Vatikans sind eine Niederlage für das Prinzip der christlichen Nächstenliebe.

Die katholische Kirche entfremdet sich von der Lebensrealität ihrer Gläubigen. Über 80 Prozent der Iren sind Katholiken – und haben im Gegensatz zum Vatikan erkannt, dass Liebe gut ist und gleiche Rechte für Lesben und Schwulen niemand etwas wegnimmt.“

 


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Hirschfeld-Eddy-Stiftung / LSVD-Stiftung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender