Sexuellen Missbrauch bekämpfen

Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist ein Verbrechen, das von mir und ebenso von Lesben- und Schwulenverbänden wie der International Lesbian and Gay Association (ILGA) auf das schärfste verurteilt wird.

Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Kinder wird durch sexuelle Übergriffe von Erwachsenen verletzt und kann zu bleibenden körperlichen wie psychischen Schäden führen.

Dies ist keine Frage von Heterosexualität und Homosexualität: Der sexuelle Missbrauch ist ein Verbrechen, unabhängig davon ob er zwischen Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechtes geschieht. Den Tätern kommt es häufig gar nicht auf das Geschlecht ihrer Opfer an.

Seit vielen Jahren setze ich mich politisch für die Bekämpfung des sexuellen Missbrauches von Kindern und Schutzbefohlenen ein. Seit meiner Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag bin ich daher wiederholt für die Verbesserung der Rechtssituation der Opfer sexuellen Missbrauchs und für eine Schließung von Strafbarkeitslücken initiativ geworden. Bereits in meiner ersten Wahlperiode im Bundestag ab 1994 habe ich einen Vorschlag für einen eigenständigen Verbrechenstatbestand für die schweren Formen des sexuellen Mißbrauches von Kindern (§ 176 a StGB) ausgearbeitet, der von der damaligen Koalition entgegen ursprünglich anders lautender Vorstellungen auch im Sechsten Strafrechtsänderungsgesetz aufgegriffen wurde.

In meiner weiteren Arbeit im Bundestag habe ich mich zudem für eine Verjährungshemmung bei zivilrechtlichen Ansprüchen von Missbrauchsopfern eingesetzt und mit dafür gesorgt, dass Kinderpornographie und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in den Straftatenkatalog für die Telefonüberwachung aufgenommen wurde.

Die Sicht auf die Pädophilie war in den 70er und 80er Jahren in Deutschland von einem systematischen Irrtum in weiten Teilen der Sexualwissenschaft und auch Teilen der Kriminologie verstellt: Selbst Kriminologen des Bundeskriminalamts schlugen damals vor, zwischen gewaltlosen, angeblich „harmlosen“ Sexualkontakten und gewaltförmigen, schädlichen Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern zu unterscheiden.
Ich habe mich seit Ende der 80er Jahre intensiv mit der Arbeit von Organisationen auseinandergesetzt, die Opfer sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs betreuen. Seitdem habe ich mit Liberalisierungsüberlegungen zum Sexualstrafrecht, die über die 1994 in Deutschland erfolgte Gleichstellung von Hetero- und Homosexualität (Streichung des § 175 StGB) hinausgehen, völlig gebrochen und bin Forderungen in diese Richtung immer entgegengetreten. Mein daraus resultierendes politisches Handeln gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornographie habe ich eingangs geschildert.
(vgl. auch taz vom 09.10.1993)

Siehe auch Antwort von Claudia Roth MdB aus 2007 auf abgeordnetenwatch.de: http://www.abgeordnetenwatch.de/claudia_roth-650-6018–f54715.html#q54715

sowie Antwort aus 2007 auf abgeodnetenwatch zum Buch von Leopardi:
http://www.abgeordnetenwatch.de/volker_beck-650-5916–f70338.html#q70338

und einen Blog-Beitrag aus 2010 auf Beckstage:
http://beckstage.volkerbeck.de/2010/04/07/getroffene-hunde-bellen/

Zum Thema auch ein Interview mit Volker Beck in der Frankfurter Rundschau vom 16.05.2013: „Es gab einen falschen Solidarisierungs-Reflex“
http://www.fr-online.de/politik/volker-beck–es-gab-einen-falschen-solidarisierungs-reflex-,1472596,22778134.html

16. Mai 2013, Berliner Zeitung: „Falscher Solidarisierungs-Reflex mit Pädophilen“
Volker Beck, Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, spricht im Interview über den Einfluss der Pädophilen auf seine Partei. Er sagt, dass auch die Schwulenbewegung in den 80er-Jahren ein Abgrenzungsproblem gegenüber Pädophilen gehabt habe.
http://www.berliner-zeitung.de/politik/volker-beck–falscher-solidarisierungs-reflex-mit-paedophilen-,10808018,22778134.html

18. Mai 2013, Badische Zeitung: „Man hörte sich erst mal jeden und alles an“
BZ-INTERVIEW mit dem Grünen-Politiker Volker Beck über die Pädophilie-Debatten bei den Grünen
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/deutschland/man-hoerte-sich-erst-mal-jeden-und-alles-an–72003564.html


english:

Sexual abuse of children is a crime that both I and lesbian and gay associations such as the International Lesbian and Gay Association (ILGA) roundly condemn.

Sexual assaults by adults violate children’s right to sexual self-determination and can cause lasting physical and psychological damage.

This is not a question of heterosexuality and homosexuality: sexual abuse is a crime irrespective of whether the people involved are of different or the same genders. Offenders frequently consider their victims‘ gender to be irrelevant.

For many years I have been engaged in political work to fight against sexual abuse of children and wards. Since my election to the German Bundestag, I have repeatedly pushed for the legal situation of victims of sexual abuse to be improved and for legal loopholes to be closed. During my first electoral term in the Bundestag, from 1994, I drafted a proposal for serious sexual abuse of children to be made a criminal offence in its own right (Section 176 a of the German Criminal Code); the governing coalition of the day took up this proposal in the sixth criminal justice amendment act, in preference to its original plans.

My work in the Bundestag has also involved seeking to bring about a suspension of the statute of limitations for abuse victims‘ claims under civil law and helping to ensure the inclusion of child pornography and serious sexual abuse of children in the catalogue of offences where wiretapping is permitted.

In Germany in the 70s and 80s, a systematic error on the part of many experts in sexology as well as some specialists in criminology led to a flawed view of paedophilia: even criminologists at the Federal Criminal Police Office proposed at the time that a distinction be made between non-violent, supposedly ‚harmless‘ sexual contact and violent, harmful sexual contact between adults and children.
Since the late 80s, I have intensively examined the work of organisations which care for the victims of sexual violence and abuse. I have since broken completely with proposals to liberalise criminal law on sexual offences that go beyond the granting of equal status to heterosexuality and homosexuality, which took place in Germany in 1994 (abolition of Section 175 of the Criminal Code), and I have always spoken out against calls to this effect. I have already set out above the political actions I have taken to combat child abuse and child pornography as a result.

hirschfeld-eddy-stiftung

Hirschfeld-Eddy-Stiftung / LSVD-Stiftung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender